Das Omnibus-Vereinfachungspaket der EU-Kommission war die meistdiskutierte regulatorische Entwicklung des letzten Quartals — und die am häufigsten missverstandene. Schlagzeilen lasen sich, als sei die Corporate Sustainability Reporting Directive zurückgenommen worden. Tatsächlich sind die Änderungen enger gefasst, und die zugrunde liegenden Pflichten sind für die meisten Unternehmen nicht verschwunden. Sie haben sich verschoben — im Scope und im Zeitplan. Gleichzeitig wächst die Nachfrage nach belastbaren ESG-Daten von Investoren, Banken und Großkunden weiter.

Für Finanz- und Nachhaltigkeitsverantwortliche ist die Frage nicht mehr, ob sich die Regeln erneut ändern — das werden sie. Die Frage ist, wie man ein Reporting-Setup baut, das diese Änderungen aufnimmt, ohne alle zwölf Monate von vorn anfangen zu müssen. In Gesprächen mit unseren Kunden im März tauchten dieselben drei Themen wiederholt auf.

1. Reduzierter Scope, aber unveränderte Erwartungen

Der Omnibus hebt die CSRD-Schwellenwerte so an, dass weniger Mittelstandsunternehmen direkt erfasst werden. In der Praxis stehen die meisten dieser Unternehmen weiterhin vor denselben Fragen — von ihren Banken, ihren größten Kunden und (bei Portfoliounternehmen) ihren Investoren. Reporting nach VSME hat sich als pragmatische Antwort für die nun ausgenommene Stufe etabliert: weniger präskriptiv als der volle ESRS, aber robust genug, um eine Finanzierungs-Covenant oder ein Tier-1-Lieferanten-Audit zu bestehen.

Wave-1-Berichterstatter sehen Teile ihres Zeitplans nach hinten geschoben — die methodische Arbeit (Boundary-Setting, Doppelte Wesentlichkeit, Scope-3-Datenerhebung) ist dadurch aber nicht einfacher geworden. Unternehmen, die früh angefangen haben, bereuen es nicht. Sie nutzen die zusätzlichen Monate, um Primärdaten in ihrer Lieferkette zu vertiefen — dort sitzt der Großteil des Audit-Risikos. Wer pausiert hat, startet jetzt mit weniger Puffer als gedacht neu.

Unterhalb der Regulierungs-Schlagzeilen hat sich an der Marktmechanik nichts geändert. SFDR-Art.-8- und -9-Fonds brauchen weiterhin PAI-Daten von Portfoliounternehmen. CBAM-Importeure brauchen weiterhin Embedded-Emissions-Daten pro Sendung. ISSB-konformes Reporting ist inzwischen die Default-Erwartung für jedes Unternehmen mit internationalen Investoren — unabhängig vom EU-Scope. Der Omnibus ändert den rechtlichen Trigger. Er ändert nicht, wer nach den Zahlen fragt.

Unsere Empfehlung an Kunden ist konsistent: Bau die Datenbasis einmal — so, dass sie gleichzeitig zu ESRS, VSME, GHGP, ISSB und SFDR passt. Behandle den regulatorischen Einstiegspunkt als Konfiguration, nicht als Architektur. Die Unternehmen, die 2026 ruhig durchziehen werden, sind die, die 2025 entschieden haben, mit Framework-für-Framework-Reporting Schluss zu machen — und stattdessen aus einer Single Source of Truth zu berichten.